Es sind nun gute zwölf Monate vergangen, seitdem ich nach Amerika aufbrach, um dort für fast ein Jahr mit einer Gastfamilie zu leben. Ich führte dieses Blog, um jeden, der Interesse daran hat auf dem Laufenden zu halten, was mir in den Staaten wiederfahren würde, auf. Auch wenn die Beiträge zum Ende hin immer seltener wurden, möchte ich es mir nicht nehmen lassen, noch diese abschließenden Gedanken zu veröffentlichen. Denn was angefangen wird, möchte auch zu Ende geführt werden. Ich habe den Eintrag ein bisschen gegliedert, da er ab nun als oberster auf der Seite stehen und möglicherweise als Anlaufpunkt für zukünftige Austauschschüler und deren Eltern dienen wird.
Ich sitze in einem Landhaus auf der Insel Rügen, im Nordosten Deutschlands. Die Temperaturen sind angenehm und draußen regnet es in Strömen. Der Wind biegt die Büsche und Bäume, während der Regen die Blätter tanzen lässt. Aus manchen Perspektiven sieht man aus dem Fenster nur den weißgrauen Himmel; unbewegt.
Rückkehr nach Deutschland
Es heißt in Handbüchern für Austauschschüler, dass die Rückkehr ins Heimatland die gleichen Tücken mit sich bringt, wie auch die Ankunft in dem Zielland: Wie man damals die Heimat und ihre Einwohner vermisste, vermisst man nach der Rückkehr die neugewonnen Freunde und die Erde auf der man dort lief. Auch in die Kultur muss man sich nun wieder einleben, da mittlerweile die damals neue Kultur Gewohnheit geworden ist. Meine Rückkehr bestätigte die Gedanken der Ratgeber durchaus. Wieder die Sprache zu “erlernen” erwies sich weniger als Problem. Aber es traf zu, dass ich Menschen und die Natur Minnesotas vermisste. Auch die Gewohnheiten von Familie und Freunden waren teilweise schwer nachzuvollziehen und sind definitiv gewöhnungsbedürftig. In solchen Situationen finde ich es wichtig, dass sich meine Laune nicht deutlich verschlechtert; auch wenn das selbstverständlich klingt, ist es notwendig erwähnt zu werden. Man muss die richtige Einstellung haben und recht rational denken um nicht das Ende des Seils zu verlieren. Mit schlecht gelaunten Zeiten ist nach der Rückkehr durchaus zu rechnen, das muss im Kopf bleiben. Außerdem sollte man die Situation so gut wie möglich umkehren, und sie nicht als Rückkehr in ein altes Leben, sondern wieder als einen neuen Anfang sehen, wie auch bei der Ankunft im Gastland. Durch rationale Abwägung kann man der Situation einiges an Lebensweisheit abgewinnen.
Die Deutschland-Reise
Um dieses neue Leben für mich attraktiv zu machen, um gleichgesinnte Freunde zu treffen und ehrlich gestanden auch, um Ferienzeit zu nutzen, die sonst womöglich ungenutzt geblieben wäre, habe ich mich auf den Weg gemacht ein wenig durch mein Heimatland zu touren, wie ich das zuvor noch nie getan hatte. Vieles von Deutschland habe ich noch nicht gesehen, oder einfach noch nie sehr bewusst aufgefasst. Mit einem Vier-Fahrten-Ticket der Deutschen Bahn war mein erster Halt in Darmstadt, genauergesagt Weiterstadt, um Caro zu besuchen. Wer mitgelesen hatweiß, dass Caro eine gute Freundin ist, die ich in Amerika kennenlernte. Mit ihrer Familie fuhren wir auch nach Bacharach, wo ich von der Burg Stahleck erstmalig einen großartigen Blick auf den Rhein und italienisch angehauchte Weinberge hatte.
Nachdem ich Hessen ein wenig kennengelernt hatte, fuhr ich zu Tante Sylvia und Onkel Winnie nach Bayreuth. Von Bayreuth aus fuhren Winnie, Sylvia und ich nach Karlsruhe um bei wiederum Verwandten meines Onkel’s zu wohnen. Hier erkundeten wir Karlsruhe und den Europapark. Auch ins Rheinland und nach Frankreich schafften wir es für einen Tag.
Die Reise fand ich äußerst unterstützend im Wiedereingewöhnungsprozess. Nach einer Weile zu Hause hatte ich verstanden, dass ich jetzt wohl wieder hier wäre. Noch ein paar Wochen weg von zu Hause zu sein gab mir dann Zeit um in Ruhe darüber nachzudenken. Das Wichtige hierbei ist, dass ich noch in Deutschland war, jedoch nicht mehr in Berlin. Es zeigte mir viel über die Schönheit Deutschlands, das Land in dem ich weiterhin bleiben werde. Weiterhin war die Reise fast wie eine Studie über das Verhalten der anderen zurückgekehrten Austauschschüler. Es ist äußerst interessant zu sehen, wie sie damit umgehen, wieder zurück zu sein.
Aus Karlsruhe fuhr ich mit der Bahn nach Düsseldorf, wieder an den Rhein, um Anna Lena zu besuchen. Sie ist ebenfalls eine gute Freundin, die im ersten Semester an meiner Schule in Amerika war. Nach wenigen Tagen Aufenthalt war ich mir einiger Dinge bewusst, die typisch für Düsseldorf sind. Auch hier war der Rhein wieder umwerfend schön und äußerst beeindruckend, wie bereits bei Karlsruhe und in Hessen. Nun endet meine Reise bei meiner Großcousine auf Rügen. Sie ist diesen Sommer von ihrem Austauschjahr in Indiana, U.S.A. zurückgekommen. Hier auf Rügen ist die Natur ebenfalls unglaublich und unbeschreiblich bewundernswert. Fast drei Wochen hat diese Reise nun gedauert, und in wenigen Tagen bin ich wieder zu Hause.
Meine Gastfamilie
Um zu beenden, was ich anfing, möchte ich natürlich nicht nur über die Ankunft zu Hause sprechen, sondern auch noch mal auf das Austauschjahr zurückblicken. Ich muss sagen, ich habe die Gastfamilienerfahrung geliebt. Wenn man aufgeschlossen und offen auf das Erlebnis zugeht, kann man aus jeder Gastfamilie etwas Wichtiges mitnehmen. Natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. Meine Gastfamilie war toll: Meine Gasteltern sind beide äußert beeindruckende und interessante Persönlichkeiten. Die beiden sind wahre Lebenskünstler und ich habe eine Menge von Ihnen lernen können. Wir haben viele Sachen unternommen, die auch gute Erinnerungen bei mir hinterlassen haben. Am meisten sticht hier der Trip nach Santa Fe hervor, über den ihr in einem vorherigen Eintrag lesen könnt.
Mein Gastbruder Zharfan brachte mir die indonesische Lebensweise und die Seine ein wenig näher und mit ihm unter einem Dach zu wohnen, hat uns zu wirklich guten Freunden gemacht.
Als Abschiedsgeschenk gaben mir meine Gasteltern ein Buch mit auf den Weg, in das ich in den vergangenen Wochen vertieft war und noch immer vertieft bin. Das Buch heißt “Zen and the Art of Motorcycle Maintenance” (deutscher Titel: “Zen und die Kunst der Motorrad Wartung”), geschrieben von Robert M. Pirsig. Im Verlaufe eines Romans über eine Motorrad-Tour vom mittleren Westen bis zur Westküste der U.S.A. erklärt der Autor verschiedene philosophische Konzepte. Das Buch wird beschrieben als ein Werk darüber, wie wir leben und wie man besser lebt; wenn auch schwer zusammenzufassen, ist es doch ein überaus spannendes Buch.
Meine Schule
Von meiner Schule schwärme ich ständig. Das Bildungsniveau an der St. Paul Preparatory School liegt über dem öffentlicher Schulen in den Staaten. Viel mehr als an diesem, bin ich aber an dem Konzept der Schule interessiert. Die Idee, eine Schule aus fast ausschließlich Austauschschülern bestehen zu lassen mag viele Schüler anfangs abschrecken. Dieses Konzept führt allerdings zu einer einmaligen Erfahrung bei den Schülern. So viel Kultur an einem Fleck ist selten zu finden; hinzu kommt noch der große Zeitrahmen den man hat, um all diese Kulturen kennenzulernen. Zwar wird das klassische High-School-Erlebnis, das man sich anfangs vielleicht erträumt nicht allzu filmtypisch erfüllt, dennoch ist diese Erfahrung deutlich mehr wert und macht dazu noch mehr Spaß! Außerdem habe ich nach dem Jahr an der Schule überall auf der Welt Freundschaften geschlossen; ein sehr großer Vorteil! Denn ich werde viele von ihnen besuchen, beziehungsweise sie mich.
Einem zukünftigen Austauschschüler, der hier vor der Wahl steht, würde ich Saint Paul Prep sehr ans Herz legen.
Schüleraustausch
Man wird kaum von irgendjemanden etwas anderes hören: Ein Schüleraustausch ist ein großartiges Erlebnis, der das Leben verändern kann. Natürlich gibt es ein paar Ausrutscher im Gastland, aber wer bis zum Ablauf des Programms im Ausland bleibt, kann in der Regel auf eine gute Zeit zurückblicken. Für mich war das Jahr einfach ein voller Erfolg. Es war so eine einschneidende Erfahrung, dass sich meine Denkweise verändert hat; ich sehe praktisch alles mit anderen Augen. Ich hoffe, dass noch viele nach mir ein ähnliches Abenteuer erleben können, denn ein Schüleraustausch ist wirklich eine tolle Sache.
In einer Woche fängt die Schule in Berlin wieder an und ich habe vor, mich nun stärker auf meine Studien zu konzentrieren. Hoffentlich wird mit der Abiturphase auch die Lernatmosphäre etwas fortgeschrittener und der Stoff interessanter. Ich hoffe auch, dass mir die Schule hilft, meine Berufswahl weiter einzuschränken.
Danke für’s Lesen
- Felix











